Tagung 2009

Begrüßungsrede (Prof. a.D. Anne-Lotte Kreickemeier )

Liebe Ehemalige, liebe Absolventinnen und Absolventen, liebe Kollegen,

auch ich begrüße Sie herzlich zur heutigen Ehemaligen-Tagung. Seit 2005 gibt es für unsere Ehemaligen ein jährliches Treffen, seit 2006 verbunden mit einer eigenen Tagung – in diesem Jahr also zum vierten Mal.
Insbesondere Herr Dr.Röll und Wolfgang Thau haben sich um die Gestaltung gekümmert; der Kreis der aktiven Ehemaligen schmolz leider „wie Butter an der Sonne“, wenige hielten durch. Danke!
Meine Aufgabe sah ich in diesen fünf Jahren darin, zunächst Ehemalige ausfindig zu machen, dann, die Kontakte zu halten sowie die Einladungen und Antworten zu bearbeiten. Dabei hilft mir mein Mann sehr, er ist mein IT-specialist, die Hochschule hat mit ihm auf neue PC-Bedingungen umgestellt. Entsprechend wird sich unsere Adresse ändern:  
fbs-ehemalige.fbgs@h-da.de  

Wir sind natürlich froh um jeden, den wir per e-mail erreichen. Aber diese Art der Korrespondenz beinhaltet auch Unsicherheiten. Im Januar kündigten wir den Termin an; Adressen von Rückläufern wurden gestrichen.
Im März gingen dann Einladungen an alle, deren e-mail wir hatten – und per Briefpost an alle offiziell Angemeldeten, die  k e i n e  e-mail haben.
Da der Rücklauf dürftig war, gab’s eine Erinnerungs-mail mit beachtlichem Erfolg. Aber immer noch hatte weniger als die Hälfte der Angemeldeten geantwortet. Haben sie die e-mail nicht erhalten? Stimmen die Adressen noch?
Kurz entschlossen startete ich eine Anfrage an offiziell angemeldete Ehemalige mit der Bitte, durch Rücksendung/also einfach durch Knopfdruck die Adresse zu bestätigen bzw. sich auch jetzt noch zur Tagung anzumelden.

B i l a n z  nach diesen Aktionen:
95 Zusagen und 254 Absagen, oft verbunden mit netten Worten, mit Infos und Hinweisen, daß berufliche Pflichten bzw. Urlaub  l e i d e r  eine Teilnahme verhindern. Oft kam der Wunsch, im nächsten Jahr wieder eingeladen zu werden. Bei so viel Verhinderung und Bedauern könnte man überlegen, ob man den Termin nicht mal in ein Wintersemester plaziert.

Meine Bitte an alle, die von uns informiert werden wollen: melden Sie sich offiziell als Ehemalige an und teilen Sie uns bitte Veränderungen mit. Nur so sind wir in der Lage und berechtigt, Sie in unseren Listen zu führen. Wie hochsensibel Daten sein können, haben wir in letzter Zeit oft erfahren…Ein Anmeldeformular, auch für Änderungen geeignet, finden Sie auf der Homepage des Fachbereichs.
Eine Auflistung aller Angemeldeten, sortiert nach dem Namen zum Zeitpunkt des Diploms, können Sie heute einsehen und gegebenenfalls über e-mail alte Verbindungen auffrischen.
Helfen Sie uns bitte, weitere Ehemalige zu finden.

Vor fünf Jahren habe ich zugesagt,  Starthilfe für Ehemaligen-Aktivitäten des Fachbereichs zu leisten. Mein Wunsch ist, in absehbarer Zeit andere weitermachen zu lassen. Ein Team zur Unterstützung der Kollegen des Fachbereichs aus Ihrem Kreis wäre klasse!

Genug der Worte. Ich bitte Sie zum Schluß, sich in die Anwesenheitsliste einzutragen und wünsche allen eine interessante Tagung und einen vergnügten Abend.

 

 

 

Tagung 2009 - Berichte aus den Arbeitsgruppen

Gewalt, Männlichkeit und Rasissmus im Alltag jugendlicher Migranten (Susanne Spindler)

Frau Spindler stellte eingangs ein Forschungsprojekt dar, an dem Sie an der Uni Köln mitgearbeitet hatte. Darin wird versucht den einseitigen, häufig in den Medien vermittelte, Fokus von männlicher Gewalt in Bezug auf die kulturelle Herkunft aufzubrechen. Stattdessen näherten sich die Forscher sinnverstehend der sozialen Lage männlicher straffälliger Migranten. Dabei konnten prekäre Situationen der Probanten hinsichtlich ihrer sozialen Bechnachteiligung ausgemacht werden, die nicht mit der kulturellen Herkunft einher gehen.
Demzufolge wird von patriarchalischen Strukturen unserer Gesellschaft auf "Machomännlichkeit" als Herkunftsproblem abgelenkt.
Die Teilnehmer der Veranstaltung diskutierten anschließend mit Frau Spindler über den langen Vorlauf, der dem Strafrecht vorangehe und über nicht greifende Maßnahmen zur Eingrenzung von Gewalttaten.
 

Jugendgewalt (Achim Schröder)

Prof. Dr. Schröder hat sich in seiner bisherigen Arbeit immer mit Jugendlichen auseinandergesetzt; das Thema Gewalt spielte aber bisher eine untergeordnete Rolle. Diese wurde zunehmend Thema, weil in einem Schwerpunkt seiner Arbeit, dem `Szenischen Spiel´, die Teilnehmer immer öfter den Wunsch äußerten, Konflikte und Gewalt zu reflektieren. Jugendgewalt rückt immer mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit, ist aber insgesamt eher rückläufig. Angst verbreiten Amokläufe wie der in Winnenden, wo scheinbar ganz normale Jugendliche extreme Gewalt einsetzen. Herr Schröder stellt dazu passend eine einjährige zertifizierte Weiterbildung vor (Konfliktbewältigung und Gewaltprävention), die im September beginnt. Die Anmeldefrist wurde bis Ende Juni verlängert.


Rechtliche Grenzen bei der Durchführung von Anti-Aggressivitätstraining
(Knud-Christian Hein)

Das Anti-Aggressivitätstraining wurde zunächst vorgestellt; es wurde erwähnt wer die Zielgruppe ist und worin die theoretische und methodische Bezugnahme besteht sowie die ursprünglichen drei Phasen. 1. Integrationsphase  2. Konfrontationsphase und  3. Realisationsphase. Anschließend wurde auf die juristische Debatte mit den Themen Verletzung von Grundrechten und Verletzung von einfachem Recht eingegangen.


Medien und Gewalt – Zur Rolle der Medien bei Amokläufen
(Franz Josef Röll)

Nicht erst seit Winnenden wird in der Öffentlichkeit, vor allem bei Politikern und in den Medien die These aufgestellt, dass Computerspiele maßgeblich beteiligt sind, dass Gewalt und Amok eine direkte Folge von exzessiven Spielkonsums sei. Im Verlauf der Veranstaltung wurden die vielschichtigen Hintergründe für Amok dargestellt und es wurde die mögliche Wirkung von Mediengewalt auf Kinder und Jugendliche reflektiert und diskutiert. Darüber hinaus wurden zudem Ergebnisse einer amerikanischen Untersuchung über das Amok-Täterprofil der letzten 30 ‚Jahre vorgestellt. Abschließend wurde darüber diskutiert, welche (sozial-)pädagogischen Möglichkeiten bestehen, derartige Amokläufe zu verhindern.


Sozialraumorientierung, Kinderschutz und Gewalt (Frau Akdenitz und Frau Mulzer)

Die drei großen Themenblöcke konnten von den Referentinnen aus Darmstadt aufgrund ihrer unterschiedlichen Tätigkeitsfelder folgendermaßen umrissen werden.
Frau Akdenitz ist Leiterin des Amtes für Soziales und Prävention. Sie hob die strukturelle Gewalt hervor (z.B. durch segregierte Stadtteile), auf die in Darmstadt mit dem Städtebauförderungsprogramm "Soziale Stadt" reagiert wird.

Frau Mulzer, stellv. Abteilungsleiterin des Städtischen Sozialdienstes (vgl. ASD), berichtete von Programmen, mit denen in Darmstadt auf Gewalt in Familien reagiert wird. Neuerdings werden in Darmstadt z.B. alle Familien mit einem Neugebornen besucht und bezüglich institutioneller Hilfen informiert.
In der weiteren Diskussion, zu der sich alle Beteiligten kurz vorgestellt hatten, kam es zu einem Erfahrungsaustausch der Arbeitsweisen hier und anderenorts. Ein wichtiger Aspekt dabei war der Netzwerkgedanke. Nicht nur innerhalb der Profession, sondern auch interdisziplinär nimmt diese Art der Arbeit einen zunhemenden Raum ein. Dazu sei eine dem Netzwerkgedanken aufgeschlossene Haltung der Professionellen, sowie Zeit nötig, in der Professionelle für Netzwerkarbeit freigestellt werden.


Bericht aus der Veranstaltung „cool sein – cool bleiben“ (Bricht von Karl-Heinz Lauber)
In der Veranstaltung stellte Sabine Manske (Leiterin ... ) das Handlungskompetenz in Gewaltsituationen „Cool sein - cool bleiben“ vor, dies eine Maßnahme zur Gewaltvermeidung des Frankfurter Kinderbüros.
Das Handlungskompetenz wendet sich an Schüler/innen der 7. - 9. Klassen. Es beinhaltet neben dem Erkennen und Benennen von Gewalt und Gewaltsituationen ein Deeskalationstraining. Ausgelegt ist das Training, das mit ganzen Schulklassen durchgeführt wird, auf 2 Tage bis zu einer ganzen Woche.
Frau Manske erklärt den konkreten Ablauf einer Veranstaltung mit einer Klassen bittet uns die Rolle einer Klasse zeitweise zu übernehmen. Als erstes sollten wir benennen wie Stress (als Anbahnung für eine Gewaltsituation) entstehen kann und schrieb die Begriffe wie schubsen, gucken (was guckst du?), anmachen an die Tafel. Im direkten Anschluss sollten wir Schimpfworte nennen wie Arschloch, Arschficker, Wichser, Idiot oder Hurensohn. Diese Übung erklärte sie, hätten den verblüffenden Effekt, dass das nennen dieser Schimpfworte und das Anschreiben an der Tafel den Schülern erst mal sehr peinlich wäre. Nach diesem Einstieg folgen dann Rollenspiele, erzählte Frau Manske weiter. Exemplarisch führte sie eines mit uns durch. Sie suchte sich eine Person aus den Teilnehmern raus mit den provokanten Worten: Komm doch mal her! Hiermit nahm sie die Rolle des Täters ein, der sein Opfer zu sich lockte, um ihm dann unter umständen, wie sie erklärte, eins auf die Fresse geben wolle.
Im Anschluss an das Rollenspiel diskutierten wir die nachgestellte Situation und und suchten nach Reaktionsweisen des möglichen Opfers. Die Möglichkeiten, die wir fanden, gingen von ignorieren, sich von dem Täter entfernen, ihn aufzufordern, das er doch kommen soll bis zum hingehen, um sich erst mal anzuhören was er will. Frau Manske führte anschließend an, das laut Untersuchungen 8 von 10 Schüler der Aufforderung zu kommen folgen würden. Gründe hierfür seien, dass die Schüler unter anderem aus Angst und Stolz der Aufforderung folge leisten würden. Insgesamt geht es bei dem Training um das sensibilisieren der Schüler was alles Gewalt ist (Mobbing, Schlägereien, Diebstahl, Erpressung und sexuelle Tätlichkeiten), um das frühzeitige Erkennen von der Anbahnung von Gewalt/Gewaltsituationen, um Gewaltsituationen zu vermeiden. Ein wesentlicher Schwerpunkt des Handlungskompetenz ist das Herauskommen aus der Opferrolle. Dies wird in Rollenspielen eingeübt. Die Veranstaltung wurde von 8 Ehemaligen besucht, was eine optimale Größe war für die Durchführung von Rollenspielen. Alles in Allem war es eine sehr anschaulichen Darstellung des Handlungskompetenz „cool sein – cool bleiben“.


Gang Bang, Porno-Rap und harte Pornos (Kathrin Skoupil)
In der Presse und auch in Fachartikeln werden Jugendphänomene, in der die Themen Sexualität und Gewalt miteinander kombiniert sind, meist aus einer moralisierenden Sichtweise heraus bewertet.
Hilfreiche Ideen im pädagogischen Umgang mit diesen Phänomenen entstehen aber aus einer Haltung, die die Frage stellt: "Warum macht dieses Verhalten für Jugendliche Sinn?".
Das Seminar wurde ausgehend von der These, dass Sexualität immer auch aggressive Anteile in sich trägt nach pädagogisch sinnvollen Erklärungsmustern für jugendliches Verhalten im Kontext von Sexualität und Gewalt diskutiert.


Jugendgewalt in internationalen Kontexten am Beispiel von Jugendlichen im brasilianischen Drogenhandel (Michael Schwinger)

Die urbane Jugendgewalt in Lateinamerika wurde am Beispiel Brasilien erläutert. Dabei war ein Schwerpunkt Gewalt und Drogenhandel. Genauer erläutert wurden die öffentliche Reaktion, die Reaktion des Staates und die Gründe für den Einstieg.

 

 

 

 

Tagung 2009

E I N LA D U N G

Ehemaligen-Tagung  am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Soziale Arbeit  der Hochschule Darmstadt

Freitag, den 8. Mai 2009

Programm:

13.30 Uhr    Come Together

Zu aktuellen Themen aus dem Bereich der Sozialpädagogik geben Professorinnen und Professoren des Fachbereichs fachliche Inputs, um anschließend mit den Anwesenden einen Dialog zu führen.

14.30 Uhr    Aktuelle wissenschaftliche Themen (Theorie/Praxis -Transfer):

a)    Rechtliche Grenzen bei der Durchführung von Anti- Aggressivitätstraining,
Prof. Dr. Knud-Christian Hein

b)    Jugendgewalt – aktuelle Herausforderungen, pädagogische Verfahren und eine neue Weiterbildung,
Prof. Dr. Achim Schröder 
    
c)    Gewalt, Männlichkeit und Rassismus im Alltag jugendlicher Migranten,
Prof. Dr. Susanne Spindler

d)    Medien und Gewalt – Zur Rolle der Medien bei Amokläufen,
Prof. Dr. Franz Josef Röll

e)    Gesprächskreis: Gewalt betrifft jeden, Prof. Dr. Amara Eckert

Ehemalige moderieren offene Diskurse zu den folgenden Praxisfeldern:

16.30    Uhr    Von der Praxis für die Praxis

a)    Gang Bang, Porno-Rap und harte Pornos,
Kathrin Skoupil (Pro Familia)

b)    Cool sein und Cool bleiben, Sabine Manske (Weiterstadt)

c)    Sozialraumorientierung , Kinderschutz und Gewalt, Barbara Akdeniz und Anna Mulzer (Städt. Sozialdienst Darmstadt)

d)    Jugendgewalt in Internationalen Kontexten am Beispiel von Jugendlichen im brasilianischen Drogenhandel, Michael Schwinger

e)   Gesprächskreis: Gewaltprävention in der Vorschulerziehung, Christine Stock

Zur Präsentation eigener Arbeitsfelder und Projekte ( Flyer, Infos, Plakate ) steht für alle ein Raum zur Verfügung.

18.30 Uhr    Aktuelle Hochschulentwicklung:

Masterstudiengang (Dr. Gisela Jakob), Praxisreferat (Kurt Rössler)

19.30 Uhr    Gemütliches Zusammensein – Buffet (Unkostenbeitrag)

Wir freuen uns, wenn Sie kommen und die Einladung an andere weitergeben.

Prof.a.D. A. Kreickemeier    Ehemaligen-Beauftragte            
Prof. Dr. F.J. Röll                 Ehemaligen-Ausschuss                   
Prof. Dr. F. Loges               Dekan                           

Darmstadt, den 26.03.2009